Gründerjahre

Als der Gesangverein Berg gegründet wurde, herrschten wahrhaftig keine goldenen Zeiten. Der 1. Weltkrieg war gerade zu Ende, Deutschland litt unter den Folgen, insbesondere unter dem 1920 in Kraft getretenen Versailler Vertrag.  Es spricht für die damaligen Bürger von Berg, dass sie in diesen schweren Jahren die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgaben und sich zur Gründung eines Gesangvereins zusammenfanden. Im Gründungsprotokoll sind alle 31 Sänger namentlich aufgeführt. Berg hatte damals etwa 350 Einwohner. Alles was im Ort Rang und Namen hatte, die Brauereibesitzer ebenso wie die Lehrer, war mit dabei. Der neue Verein sollte unabhängig von den damals bestehenden Radfahrer- und Militärvereinen sein.  Ziel des „Gesangvereins Berg“ war laut Gründungssatzung die „Pflege und Förderung des Gesangs sowie der geselligen Unterhaltung und des Friedens der Bürger untereinander“. Von Anfang an fühlten sich die Sänger verpflichtet, am Leben des Dorfes aktiv teilzunehmen und es durch ihre Auftritte zu bereichern. Darüber hinaus wollten sie überall ihr Heimatdorf gut vertreten. Heute kann mit Stolz festgestellt werden, dass der Gesangverein immer diesem Anspruch gerecht geworden ist.  Erster Vorstand des Vereins war Joseph Maier, der Vater des Ehrenvorstandes Georg Maier sen., Dirigent wurde Hauptlehrer Alfons Götz, als Kassier und Schriftführer wurde Karl Moll gewählt. Offensichtlich hatte der Verein keine großen Schätze zu verwalten. Durch die bald einsetzende Inflation ging sowieso schnell das kleine Vereinsvermögen verloren. Im Gründungsjahr setzte sich der Verein wie folgt zusammen:

Obwohl in den Sommermonaten meist keine Singstunden gehalten wurden, ist es doch ganz beachtlich, wie viele Lieder der neugebildete Chor in den ersten drei Jahren gelernt hat. Chorleiter Götz hat im Protokollbuch etwa 40 von ihm eingeübte Chöre säuberlich aufgeführt. Viele der gesungenen Lieder standen im „Heim“, einer damals sehr verbreiteten „Sammlung von Volksgesängen für Männerchor“. Gelegenheit für Auftritte des Chores gab es genug: „Christbaumfeiern“, Öschprozessionen, Ausflüge zu Nachbarvereinen, Vereinsabende und viele andere.

1925 – 1932

Der Chor hatte das große Glück, daß nach den ersten Jahren des Aufbaus, in denen es auch manche Krisen gab, zwei bedeutende Männer die Geschicke des Vereins in die Hand nahmen.  Am 7.3.1925 wurde Martin Seifert 1. Vorstand und blieb es bis 1956. Dirigent wurde im gleichen Jahr Alfons Kittel, der neue Lehrer in Berg. Beide waren dem Chorgesang zutiefst verbunden und hatten die besondere Gabe, einen Verein zu führen und den Chor bei allen Gelegenheiten zu motivieren. Sicher standen sie auch in den Nachsingstunden ihren Mann.  „Es war das erste mal, daß sich der Gesangverein Berg der größeren Öffentlichkeit zeigte und von seinem Können hören ließ. Als Wertungslied sang der Verein den wuchtigen Chor ‚König Lenz‘, welcher unter der vorbildlichen und kunstsinnigen Leitung unseres bei uns erst kurze Zeit amtierenden Dirigenten, Herr Hauptlehrer Kittel, in mustergültiger Wiese eingeübt wurde… Also Note erhielt der Verein den 1b-Preis (Note gut)… Es ist somit durch das gemachte Unternehmen sowie durch den geernteten Preis das erste Ruhmesblatt in der Geschichte des Gesangvereins Berg gepflückt und beschrieben worden.“  Vom 29. Juni bis zum 1. Juli fand in Ulm das 32. Allgemeine Liederfest des Schwäbischen Sängerbundes statt. Die 28 Aktiven des Vereins konnten von ihrem Dirigenten überzeugt werden, dass sie beim Preissingen in Ulm durchaus bestehen könnten. Als erfahrener Dirigent kannte er seine Sänger und stellte auch gleich seine Bedingungen:  „… dass diejenigen Sänger, die weniger musikalisch oder stimmlich begabt sind, an gewissen heiklen Stellen beim Preislied auf den leisen Wink dem Dirigenten Folge zu leiten haben, das heißt, sich an solchen Stellen zurückhalten müssen, damit der reine Akkord nicht darunter notleide; die anderen, besser begabten Sänger müssen dagegen umso mehr hergeben, damit die Tonfülle nicht notleide.“  Über das eigentliche Fest wird im Protokollbuch durch Schriftführer Kaspar Bausenhart begeistert auf 8 Seiten berichtet:  „… Siegesbewußt erwarteten wir die Zeit und betraten ebenso siegessicher das Podium des Stadttheaters der Stadt Ulm, um unseren Chor dem Preisgericht sowie einer über tausend zählenden Zuhörermenge vorzutragen… Alle drei Verse (Silchers ‚O wie herbe ist das Scheiden‘) sang der Verein gut, nicht einmal war eine schwache Stelle zu konstatieren… wofür dem Verein nach Schluß des Vortrags eine nicht enden wollende Beifallskundgebung seitens des Publikums sowie der musikalischen Welt durch Händeklatschen und Bravorufe zuteil wurde… Unser Verein, einer der kleinsten bzw. aus der kleinsten Gemeinde, erhielt einen II. Preis unter stärkster Konkurrenz…“  In Stufe I, einfacher Volksgesang, hatten sich 99 Vereine präsentiert. Damals wurde auch der Montag noch beim Feiern und Singen miteinbezogen durch die Aufführung der Massenchöre, wobei mit Orgel- und Orchesterbegleitung von den 16-17000 Sängern circa 10 Lieder vorgetragen wurden, was auf die Berger Sänger, die sich daran ebenso beteiligten wie am 4 Stunden dauernden Festzug durch Ulm, einen gewaltigen Eindruck machte.  „Besonderer Dank fällt auf die Schultern unseres verehrten Dirigenten, Herr Hauptlehrer Kittel, dem wohl der größte Anteil zufällt zum Gelingen dieses gewaltigen Unternehmens… Schrecklich viel Arbeit und Schweißtropfen hat es ihn gekostet, bis der Verein reif war zum Auftreten und bis die alten Zöpfe verschwunden waren, welche dem Verein anhafteten. Er hat uns piano und pianissimo singen gelehrt und den richtigen Schliff und Zug beigebracht… Durch den geernteten Preis hat der Gesangverein das II. Ruhmesblatt seiner Geschichte gepflückt und beschrieben. Der späteren Generation möge an dieser Stelle gesagt sein: Tretet ein in die Fußstapfen eurer Väter…“  Beim Familienabend mit „Siegesfeier“ wurde dem Dirigenten als Dank eine goldene Uhr überreicht.  Als „drittes Ruhmesblatt in der Vereinsgeschichte“ beschreibt der Schriftführer die Teilnahme des Gesangvereins beim Gausängerfest in Ehingen am 12. Juni 1932. Beim Preissingen erhielt der Verein den dritten 1a Preis und die Note „sehr gut“. Mit nur 23 Sängern hatten sich die Berger hervorragend präsentiert, nur Allmendingen mit 55 Mann und Obermarchtal mit 40 Sängern waren besser.

1933-1938

Das „Dritte Reich“ ging nicht spurlos an den Gesangvereinen vorbei. Schon der Gausängertag am 11. Juni 1933 in Munderkingen stand „ganz im Zeichen der nationalen Erhebung, was auch durch die Anwesenheit des Herrn Landtagsabgeordneten sowie des Herrn Landrates“ und die „vaterländischen Reden, die gehalten wurden“ zum Ausdruck kam. Die vorgetragenen Lieder waren entsprechend: „Wo gen Himmel Eichen ragen“, „Dir möcht ich diese Lieder weihen, geliebtes, teures Vaterland“ oder „Neues Deutschland“.

Auf der außerordentlichen Generalversammlung am 3. Juli 1933 stand dann auf der Tagesordnung „Gleichschaltung des Gesangvereins im Sinne der nationalen Regierung“. Der Chronist schreibt:

„Indem überall sämtliche Vereinsvorstände und Ausschüsse neu zu bestellen sind und wobei vor allem Mitglieder oder nahestehende Personen der N.S.D.A.P. zum Zuge kommen sollen, trat heute die ganze Vorstandschaft sowie der Ausschuß zurück.“

Die geheime Wahl brachte aber kaum Änderungen, insbesondere wurde der „alte, bewährte Vorstand Martin Seifert wieder gewählt und zwar einstimmig. Diese Wahl machte speziell seiner Person sowie aber auch dem ganzen Verein alle Ehre.“ Die Sänger hatten offensichtlich den Mut, das Nichtparteimitglied Martin Seifert wiederzuwählen.

Die Fahnenweihe am 10.6.1934 war ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

Es dauerte 14 Jahre, bis der 1920 gegründete Gesangverein Berg in der Lage war, sich eine Vereinsfahne anzuschaffen. Im Protokollbuch wird die Fahnenweihe am 10. Juli 1934 ausführlich beschrieben. Schon an der Überschrift ist zu erkennen, welche Begeisterung damals unter den Sängern und beim Schriftführer Kaspar Bausenhart herrschte.

„Was mancher Sänger schon oft vermißte und im Stillen ersehnte, daß der Tag nicht mehr allzufern sein möge, an dem auch unser Verein ein äußeres Symbol zu besitzen in der Lage wäre, ist mit der heutigen Fahnenweihe restlos eingelöst worden. Wochen und Monate waren schon vorausgegangen, die den Gedanken reifen ließen, der Verein möge sich eine Fahne beschaffen. Doch die Zeit und Umstände waren immer stärker als der gute Wille, bis dieser Hemmschuh auf einmal ins Grab sank, als der Verein von Seiten eines passiven Mitgliedes (Anton Steinle, Bröcklesbauer) als Fundament 44 Mark erhielt… In der Versammlung vom 11.04.1934 wurde dann beschlossen, eine Fahne zu beschaffen und zwar von Firma Geschwister Burger, Munderkingen, zum Preise von 450 M[ark], deren Weihe am heutigen Tag in hiesiger Kapelle durch H.H. Vikar Betzler vorgenommen wurde. Pate stand unser großer Nachbar, der Liederkranz Ehingen… Früh morgens kündigten schon gewaltige Böllersalven sowie frühzeitige Tagwachtmärsche der Musikkapelle Kirchbierlingen den Beginn des großen Tages an… Wohl noch nie hatte die Gemeinde Berg so schön ihr Festkleid angezogen wie heute, aber auch noch nie einen solch stattlichen Festzug gesehen. Anwesend waren zirka 25 Vereine. Bei herrlichem Sonnenschein zog der imposante Festzug im schön dekorierten Festgarten zur Brauerei Rose ein…“ 

Die erste Vereinsfahne hat die Berger Sänger bei vielen Auftritten begleitet, bei freudigen Anlässen und auch bei Beerdigungen von aktiven und passiven Mitgliedern des Vereins. Der Fahneneinmarsch ist auch heute noch bei jedem Sängerfest ein farbenprächtiges Ereignis.

Zu dieser Zeit hatte der Chor 32 Mitglieder. Ein besonderes Erlebnis war der erste größere Vereinsausflug, erstmals mit dem Bus, an den Bodensee, der durch den guten Kassenstand nach dem Fest möglich war.

Doch allzu schnell folgte auf diese Höhepunkte im Vereinsleben eine gewisse Ernüchterung, denn der erfolgreiche Dirigent Alfons Kittel verließ Berg nach 9jähriger Tätigkeit. Bis der neue Lehrer Alfred Hesslinger den Chor übernahm, sprang Amtsverweser Lehrer Schell als Aushilfsdirigent ein. Im gleichen Jahr, 1935, übernahm Georg Maier sein erstes Vereinsamt, er wurde Kassier. Auch unter Dirigent Hesslinger glänzten die Berger Sänger bei Wertungssingen. Am 16. Juli 1939 erhielten sie in Munderkingen beim Sängerfest des Gaues die Note „sehr gut“. Als Lohn wartete zu Hause der von Vorstand Martin Seifert gestiftete Bockbraten mit Freibier.

Kriegs- und Nachkriegszeit

Wenige Wochen danach war Krieg. Schriftführer Kaspar Bausenhart wurde gleich zum Kriegsdienst einberufen, mit ihm der Dirigent und viele Sänger. Im Winter 1939/40 konnte daher keine Singstunde mehr gehalten werden. In den ersten Kriegsjahren kamen die Sänger zwar noch gelegentlich zusammen, aber ab 1941 sind keinerlei Aktivitäten mehr vermerkt. Die Daheimgebliebenen fühlten sich aber mit ihren Kameraden an der Front nach wie vor verbunden und schickten ihnen immer wieder Pakete.  Als der grausame Weltkrieg endlich zu Ende war, waren unter den Gefallenen die Sänger Kaspar Bausenhart (Schriftführer), Joseph Braig, Franz Sontheimer und Georg Zimmermann. Georg Maier und Karl Wurm kehrten erst im Jahre 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, Franz Moll sogar erst 1950.

Am 8. Juni 1949 erfolgte dann ein Neubeginn. Martin Seifert rief die Berger zur Neugründung des Gesangvereins zusammen. Peter Feil, der neue Lehrer von Berg, übernahm die Dirigentenschaft. Zunächst fanden die Singstunden Sonntags nach dem Gottesdienst statt. Beim Gausängerfest in Ehingen beteiligte sich der Gesangverein bereits am Festzug. Im November bei einem Familienabend trat neben dem Männerchor auch ein kleiner gemischter Chor auf, was offensichtlich nicht allen Sängern gefiel. Der kurz zuvor aus der Gefangenschaft zurückgekehrte „Schorsch“ Maier glänzte dabei bereits durch seine humoristischen Darbietungen.  Alte Traditionen wurden wieder aufgenommen. Die Berger Fasnet ist seither einer der Höhepunkte im Vereinsjahr. Die Theateraufführungen in der Weihnachtszeit unter der Regie von Cornelius Schlecker waren überfüllt.  Im Jahre 1953 hatte der Männerchor 29 aktive Sänger, dazu kamen 15 Sängerinnen im gemischten Chor. Beim Kritiksingen am 18. Juli 1954 in Munderkingen sang der Männerchor das „Trinklied“ von Walter Rein. Die Wertungsrichter schrieben: „Auch dieser Vortrag kann als besonders gelungen bezeichnet werden… Eine hocherfreuliche Leistung! Nur weiter so!“ Der Gesangverein stellte sich bei vielen Anlässen in den Dienst der Gemeinde. Am 31.10.1953 verschönerte er durch seine Mitwirkung die Einweihungsfeiern der renovierten und wesentlich vergrößerten Kapelle. Seit 1955 umrahmt der Verein jährlich die Gefallenenehrung in Berg.  Eine große Zäsur brachte die Generalversammlung am 13.11.1956. „Unser seitheriger verdienter erster Vorstand Martin Seifert legte sein Amt, das er nun 30 Jahre treu und vorbildlich führte, nieder. Es ist uns allen unglaublich, ihn als Veter unserer Sängerfamilie nicht mehr an der Spitze zu wissen…“ Martin Seifert wurde spontan zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Der Übergang zum neuen Vorstand vollzog sich in bester Harmonie. Der bisherige Schriftführer Georg Maier sen. wurde einstimmig zum neuen Vorstand gewählt, hatte er doch schon bisher als „Geschäftsführer“ im Verein die Fäden gezogen.  Mit 26 Sängern beteiligte sich der Gesangverein im Juli 1957 am Kritiksingen in Riedlingen mit dem Lied „Heimat“ von Franz Philipp. Wieder wurde eine gute Leistung geboten. „Der Chor zeigte in allen Rubriken der Gestaltung ein solides Können und brachte das gewählte Stück sehr ausdrucks- und stimmungsvoll zum Vortrag.“

1958-1969

Im Jahre 1958 wurde der Dirigent des Vereins, Peter Feil, nach Ehingen versetzt. Sein Nachfolger, Gerhard Rudolf, übernahm gern den Chor. Die Familie Rudolf war den Bergern Sängern schon gut bekannt, denn vor Kritiksingen hatte Vater Rudolf mehrmals den Berger Chor abgehört, wertvolle Tips gegeben – und die Berger und ihr Bier schätzen gelernt. Wieder hatte der Verein bei der Dirigentenwahl den richtigen Mann gefunden. Leider konnte unter dem neuen Dirigenten der gemischte Chor nicht mehr weitergeführt werden. Ansonsten blühte das Vereinsleben. Die Theateraufführungen, immer noch unter der Leitung von Cornel Schlecker, mussten mehrmals wiederholt werden. Unvergessen sind bis heute noch die zweitägigen Ausflüge an den Rhein und nach Südtirol. Beachtlich waren wieder die Erfolge bei Kritiksingen. Die Berger Sänger ließen kaum ein Sängerfest aus. Ein Höhepunkt war das Gaufest in Hohentengen im Jahre 1969, wo der Chor in einem Sonderkonzert die „Jägerkantate“ von Ernst Kutzer aufführte und beim Kritiksingen glänzte. Die Kritiker schrieben:„Eine hervorragende Chorkomposition des Walter-Rein-Schülers Bernhard Weber. Daß der Männergesang dieses ‚Danklied‘ als Kritikchor wählte, sei ihm hoch angerechnet. Ohne jeden Tadel waren die Disziplinen Rhythmik, Dynamik, Phrasierung und Tonreinheit. Die Aussprache ist gepflegt und die Tonbildung auf dem besten Weg zur Stimmkultur. Zusammengefaßt: Eine vortreffliche Leistung.“ Weitere Höhepunkte des Vereinslebens in dieser Zeit waren drei sehr gelungene Chorkonzerte, das erste fand am 3.12.1961 im Saal der Brauerei „Rose“ statt. Sogar Solisten aus den eigenen Reihen konnten präsentiert werden: Georg Thanner, Georg Maier, Hans Schlecker und Karl Wörz. Auch in den Jahren 1964 und 1968 lud der Verein zu Liederabenden ein, bei denen gute Chormusik zeitgenössischer Komponisten (Robert Edler, Rudolf Dasch, Quirin Rische, Paul Zoll, Walter Schneider u.a.) vorgetragen wurde. Die Resonanz beim Publikum war immer sehr erfreulich.

Jubiläumsjahr 1970

Vom 4.-6. Juli 1970 konnte dann der Verein sein 50jähriges Jubiläum feiern, ein Fest, das zu einem weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde. Das Jubiläum war verbunden mit dem ersten Gausängertreffen in Berg. Nie zuvor waren so viele Sängerinnen und Sänger in Berg versammelt. Beim Festabend am Samstag im Zelt wurde von den Berger Sängern gemeinsam mit dem Patenverein „Liedertafel Ehingen“ anspruchsvolle Chormusik zeitgenössischer Komponisten dargeboten (Siegfried Strohbach, Peter Seeger u.a.) teils a capella, teils mit Klavierbegleitung (Elmar Henger, Ehingen) oder mit Schlaginstrumenten. Das Programm wurde ergänzt durch einen Auftritt des Männergesangvereins Kreßbronn unter der Leitung von Edwin Rudolf, dem Bruder des Berger Dirigenten. Der Höhepunkt war dann der Sonntag:„Schon früh morgens um 5 Uhr zog die Musikkapelle Kirchbierlingen mit flotter Marschmusik durch das Dorf und rief mit diesen Klängen die Festgemeinde auf die Beine, wozu Ulrich Burger mit seiner BMW das Ehrengeleit gab.“ Bereits um 8:30 Uhr war Gottesdienst auf dem Schulhof, anschließend präsentierten sich über 20 Gauvereine im Festzelt beim Freundschaftssingen. „Am Nachmittag zog bei strahlendem Sonnenschein ein farbenfroher, singender Festzug durch das Dorf, das von vielen fleißigen Händen in monatelanger Arbeit bestens hergerichtet, mit seinem Blumen- und Fahnenschmuck in einer Pracht erstrahlte, wie es in den Jahrhunderten seiner Geschichte wohl noch nie der Fall war.“ Angeführt von einer Reitergruppe marschierten 37 Gauvereine durch das Dorf, begleitet von 3 Musikkapellen, und dazwischen gab es 5 Festwagen. Bis in die späte Nacht wurde in Berg gefeiert. Am Montag folgte das Fest für die Kinder, und am Mittwoch gab es zum Abschluss noch einen guten Bunden Abend mit ‚Herr Häberle‘ (Oskar Hailer) persönlich.„Dieses Fest war ohne Zweifel der absolute Höhepunkt in der 50jährigen Vereinsgeschichte. Es war eine eindrucksvolle Kundgebung für das Deutsche Lied und den Chorgesang und ein gelungenes Heimatfest für die Berger, das unser Herrgott mit herrlichem Sonnenschein krönte“, berichtet Schriftführer Franz Scheuing.

1971-1975

Leider musste schon in der Ausschusssitzung nach dem großen Fest zur Kenntnis genommen werden, daß Dirigent Rudolf dem Verein nur noch für eine Übergangszeit zur Verfügung steht. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger war ziemlich schwierig. Im Oktober 1971 war man dann erfolgreich. Realschullehrer Ingomar Schubert aus Ehingen war bereit, den Chor zu übernehmen. Mit der Ära Rudolf endete auch das Theaterspielen in der Weihnachtszeit. Spielleiter Cornel Schlecker war auch amtsmüde. Statt dessen traf sich der Gesangverein mit seinen Freunden in der Vorweihnachtszeit zu einer besinnlichen Stunde.  Auch unter dem neuen Dirigenten stellte der Chor sich der Kritik, erstmals in Munderkingen beim Gausängerfest 1972 mit dem Lied „Die Brücke von Avignon“ von Franz Biebl. Die Beurteilung war gut, hervorgehoben wurde „der bewegliche, lebendige Vortrag und der runde Chorklang“.  Die Zusammenarbeit mit dem neuen Dirigenten endete bereits im Mai 1973, weil dieser überraschend kündigte. Doch die Sänger ließen sich nicht entmutigen, insbesondere Vorstand Georg Maier sen. ging mit gutem Beispiel voran. Bei der Öschprozession 1973 dirigierte er selbst, und bald hatte er den Chorleiter der „Liedertafel Ehingen“, Konrektor Willy Jaud, als Aushilfsdirigenten gewonnen. Dadurch wurde die traditionelle Verbindung zur „Liedertafel“ noch enger. Gemeinsame Chorkonzerte wurden durchgeführt, erstmals im Oktober 1974 mit Werken von Paul Zoll „Stimmen europäischer Völker“, dann im folgenden Jahr unter dem Titel „Musikalische Reise durch fünf Jahrhunderte“. Das letzte Konzert wurde in Ehingen und in Berg aufgeführt.  In diesen Zeitraum fällt auch das Bundessängerfest in Göppingen, wo die Männerchöre des Gaues unter der Leitung von Gauchormeister Anton Locherer ein begeisterndes Konzert boten. Mit dabei waren natürlich auch die Berger Sänger. „Es war wirklich ein einmaliges, erhebendes Erlebnis, diesen Stimmenklang aus tausend Sängerkehlen… miterleben zu dürfen… Mit am besten musizierte der Donau-Bussen-Gau.“ Im April 1975 wurden die Gauchöre dann sogar vom Süddeutschen Rundfunk aufgenommen.

1976-1995

Leider endete die Zusammenarbeit mit Dirigent Willy Jaud schneller als erwartet, da dieser aus gesundheitlichen Gründen kündigte. Da auch die Ehinger „Liedertafel“ ohne Dirigent war, beschloß man abzuwarten, was sich dort tut. In Ehingen war Heinz Feil, der Sohn des früheren Berger Dirigenten Peter Feil, zunächst als Aushilfe eingesprungen. Er ließ auch die Berger nicht im Stich, und schon bei der Fastnachtsfeier des Vereins am 29.2.76 fand der erste Auftritt unter seiner Leitung statt. Als „Aushilfsdirigent“ versprach er, alle 14 Tage eine Singstunde zu halten.  Die traditionellen Aktivitäten des Vereins konnten in vollem Umfang weitergeführt werden. Es würde zu weit führen, diese alle aufzuzählen. Gesellige Höhepunkte im Vereinsleben sind nach wie vor die gut besuchten Fastnachtsveranstaltungen, wobei sich fast jeder Sänger als Schauspieler entpuppt. Seit 1977 wurde in der Weihnachtszeit wieder Theater gespielt, allerdings in kleinerem Rahmen. Im Jahr 1977 veranstaltete der Gesangverein auch erstmals das traditionelle St. Ulrichsfest. 1990 wurde für diesen Anlass mit den beiden anderen Vereinen in Berg, Schützenverein und Sport-Club, eine Festgemeinschaft gebildet, die seither erfolgreich zusammenarbeitet.  Die Pflege des Gesangs kam dabei nicht zu kurz. Es gelang immer wieder, neue und junge Sänger für den Chor zu gewinnen. Im Jahre 1986 hatte der Chor die vorher noch nie erreichte Höchststärke von 37 Aktiven. Musikalische Höhepunkte waren Konzerte der „Liedertafel Ehingen“, wo die Berger Sänger gern als Verstärkung mitwirkten: 1978 „Herbstliches Jagdkonzert“ mit Jagdhornbläsern, 1985 „Romantische und zeitgenössische Musik“, 1986 „Zoller-Konzert“, 1989 „Chöre und Lieder aus Klassik und Romantik“, 1992 „Chorkonzert zum 160jährigen Jubiläum der Liedertafel“.  Im Mai 1988 veranstaltete die Stadt Ehingen erstmals eine „Ehinger Musikwoche“, wo der Gesangverein Berg die Liedkantate von Willy Trapp „Freut euch des Lebens“ vortrug und sich bei den gemeinsamen Männerchören beteiligte. Eine Premiere war auch im Jahre 1993 die Rundfunkaufnahme für die Sendung „Sang und Klang aus Stadt und Land“.  In den letzten Jahrzehnten besuchte der Gesangverein fast alle Sängerfeste des Gaues und sang bei vielen Freundschaftssingen von Nachbarvereinen. Die Berger Sänger waren aber auch gern gesehene und gern gehörte Gäste in anderen Sängergauen. Im Jahre 1982 war der Chor Gast in Unterschneidheim im Ries, 1990 in Renquishausen auf dem Heuberg, und 1994 konnten freundschaftliche Beziehungen zum gemischten Chor in Durlach-Aue geknüpft werden.  Dass in Berg guter Chorgesang gepflegt wird, wurde auch durch die Beurteilungen des Chores bei Kritiksingen des Gaues bestätigt. 1982 in Ehingen beim Vortrag von Paul Zolls „Sonne scheint nimmermehr“ wurden insbesondere „Aussprache und Rhythmik als sehr gut angesprochen“. Beim Gausängerfest in Offingen trug der Chor „Laß doch der Jugend ihren Lauf“ von Arnold Kempkens vor. Prof. Karl Hermann Mäder als kritischer Berichterstatter bescheinigte dem Chor: „Spaß hat das Zuhören allemal gemacht… Die heutige Leistung hinterließ einen beachtlichen und sicheren Eindruck“, zumal der Chor sein Lied auswendig zu Gehör brachte.  Die wöchentliche Singstunde am Freitagabend war inzwischen zur Regel geworden. Nur in den Ferienwochen wird kurz pausiert, aber über 40 Singstunden im Jahr sind auch die erste Voraussetzung für jährlich bis zu 20 öffentliche Auftritte des Chores. Ein Freitag ohne Singstunde ist auch deshalb kaum auszuhalten, weil dann die Nachsingstunde ausfällt und damit die zweite Lieblingsbeschäftigung der Berger Sänger, das Kartenspielen.

Im Jubiläumsjahr kann der Berger Gesangverein voller Stolz und Befriedigung Bilanz ziehen. Im neuen Schulhaus konnte die Stadt Ehingen dem Verein ein geeignetes Probelokal zur Verfügung stellen. Das im Jahr 1927 angeschaffte Harmonium ist längst durch ein Klavier ersetzt worden, und seit Weihnachten 1984 präsentiert sich der Verein in einer kompletten einheitlichen Uniform.  Im Verein herrscht Kameradschaft und Harmonie. Die überaus lange Amtszeit von Vorstand Georg (Schorsch) Maier sen. – 65 Jahre aktiver Sänger und seit 1956 Vorstand – beweist dies ebenso wie die fast 20 Jahre währende „Aushilfsdirigententätigkeit“ des derzeitigen Chorleiters. Auf der Generalversammlung am 31. März dieses Jahres legte Georg Maier sen. sein Vorstandsamt nieder. Einstimmig wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Die kontinuierliche Weiterarbeit ist gesichert, da sein Sohn Georg Maier jun. einstimmig zum Nachfolger gewählt wurde. Damit ist das Vorstandsamt in der dritten Generation in der gleichen Familie.

Im Laufe der Zeit wurde eine Generalüberholung der Fahne immer dringender. Wegen der hohen Kosten einer Reparatur wurde schon auf der Generalversammlung 1989 von Sänger Karl Hirschle der Antrag gestellt, Rücklagen für eine neue Fahne zu sammeln. Bei den Vorbesprechungen für das 75jährige Jubiläum wurde dann endgültig beschlossen, eine neue Sängerfahne fertigen zu lassen. Wieder wurde die Firma „Geschwister Burger“ damit beauftragt.

Die neue Fahne zeigt auf der einen Seite das Wahrzeichen des Dorfes, die dem Hl. Ulrich geweihte Kapelle, deren Ursprünge Jahrhunderte zurückliegen. Die Jahreszahlen 1920 und 1995 sollen auf die Vereinsgründung bzw. auf das 75-Jährige Jubiläum hinweisen.  Im Jahre 1920 wurde der Donau-Bussen-Sängergau gegründet, dem der Berger Gesangverein angehört. Das Gau-Jubiläum fällt also mit dem Jubiläum unseres Vereins zusammen, das Sängerfest in Berg ist so auch das Fest des Gaues. Die sehr starke Beteiligung der Gauvereine zeigte dies.  Die an Berg vorbeifließende Donau hat immer das Leben im Dorf geprägt, im Westen grüßt weithin sichtbar der Bussen. Bewusst wurde daher der Anfang vom Sängerspruch des Donau-Bussen-Sängergaues in die neue Vereinsfahne aufgenommen:

„Wo die Donau rauschend vorüber fliesst,
wo der Bussen weit in die Gaue grüßt,
wird treu gepflegt des Liedes Klang…“ 

Schließlich zieren noch Lyra und Gemeindewappen die Fahne. Die Lyra, das Attribut der Dichter und Sänger, soll hinweisen auf die Tradition des Vereins, die es weiterzuführen heißt.  Wegen der hohen Kosten einer handgefertigten Fahne hatte der Gesangverein sich an seine Mitglieder und Freunde gewandt und um Unterstützung gebeten. Auch an dieser Stelle sei den Spendern herzlich gedankt.